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REACH-Kampagnenrückblick

Die Entstehung von REACH

Vor 1981 mussten Chemikalien nicht so streng getestet werden, bevor sie auf den Markt kamen. REACH sieht die systematische Überprüfung all dieser Chemikalien vor. Die Europäische Kommission war – zu recht – beunruhigt über die möglichen Risiken bereits existierender Chemikalien.

Im Jahr 2001 rief die Europäische Kommission das REACH-Programm ins Leben, mit dem die Sicherheit von 30.000 existierenden Chemikalien überprüft werden soll. Dies soll durch veraltete Tierversuche geschehen. Die ECEAE ist mit den Zielen von REACH einverstanden - wir alle möchten Schutz vor gefährlichen Chemikalien – nicht aber mit der Art und Weise der Tests.

Zu Tode vergiftet

Die Europäische Kommission will Millionen von Tieren vergiften. Ca. 20% der Tests würden in Großbritannien stattfinden, da es dort die größte Auftragslabors Europas gibt.

Anfänglich wurde in den REACH-Plänen nichts von tierversuchsfreien Testmethoden erwähnt.

Als die ECEAE von den Plänen der Kommission erfuhr, lancierten wir die erste Kampagne, um das Massenleiden zu verhindern. Wir wussten, dass die Testmethoden absolut zuverlässig, biologisch relevant, wiederholbar und ethisch vertretbar sein müssten, um in der EU Chemikalien-Richtlinie berücksichtigt zu werden. Dies bedeutet: tierversuchsfreie Tests.

Ein halbes Jahrzehnt Kampagnenarbeit

Es folgten fünf Jahre intensivster Lobby- und Kampagnenarbeit.

Im Jahr 2001 gab die ECEAE einen bahnbrechenden Report mit dem Titel 'The Way Forward: non-animal testing strategy for toxicity testing” („Der Weg in die Zukunft: eine tierversuchsfreie Strategie für Toxizitätstests”) heraus. Dieser Bericht war Grundlage einer weitreichenden Debatte innerhalb der EU über die Zukunft ethisch vertretbarer Testmethoden.

Wo stehen wir jetzt?

Am 01. Juni 2007 trat REACH in Kraft. REACH bestimmt nunmehr, wie Firmen nachweisen müssen, dass ihre Chemikalien für Mensch und Umwelt sicher sind. Jede Chemikalie, die eine Firma auf den europäischen Markt bringen möchte, muss eine Testserie durchlaufen. In Helsinki, Finnland, wurde die Europäische Chemikalienagentur eingerichtet, um den gesamten Prozess zu überwachen.

Lebensrettende Änderungen

Die Arbeit der ECEAE hat maßgeblich dazu beigetragen, dass vermutlich mehreren Millionen Tieren das Leiden und Sterben in den Labors erspart bleibt. Unser Ziel, ein REACH ganz ohne Tierversuche, konnte jedoch nicht erreicht werden.

Erfolg: Verpflichtung zur gemeinsamen Nutzung von Daten

Einer der Gründe, weshalb voraussichtlich wesentlich weniger Tiere als ursprünglich gedacht, für REACH leiden und sterben müssen, ist die Einführung der “Verpflichtung zur gemeinsamen Nutzung vorhandener Daten”. Viele der 30.000 unter REACH zu testenden Chemikalien waren schon vor Jahren von den Herstellerfirmen getestet worden. Die Firmen haben unter großem zeitlichen und finanziellem Aufwand ganze Sammlungen von Tierversuchsdaten zusammengetragen. Doch niemand will diese Daten mit der Konkurrenz teilen.

Die von uns eingebrachte Änderung des verpflichtenden Datenaustauschs zwingt die Firmen nun, ihre gesamten Tierversuchsdaten zu einer bestimmten Chemikalie zusammenzuwerfen. Dies gewährleistet, dass Sicherheitstests nur ein Mal durchgeführt werden.

Die gemeinsame Nutzung vorhandener Daten ist nun eines der Hauptmerkmale der Richtlinie und es gibt Strafen für Firmen, die sich dem widersetzen.

Erfolg: genaue Überprüfung von Testanträgen

Eine weitere Änderung, für die die ECEAE harte Lobbyarbeit leisten musste, war die 45-Tage-Überprüfungsphase. Tierschutzgruppen wird damit die Möglichkeit geben, alle der Europäischen Chemikalienagentur vorgelegten Tierversuchsanträge zu überprüfen. Wir haben nun bei jedem Antrag 45 Tage Zeit, um festzustellen, ob für einen beantragten Tests bereits Daten existieren, oder ob es tierversuchsfreie Testmethoden für den jeweiligen Fall gibt. Unsere wissenschaftlichen Experten werden die Anträge entsprechend mit der Lupe durchgehen und so voraussichtlich zahlreiche Tiere vor einem qualvollen Tod retten.

Erfolg: ethisch vertretbare Alternativen haben in Europa Top-Priorität

Aufgrund unserer intensiven Lobbyarbeit wurden die Entwicklung und der Einsatz von tierversuchsfreien Testmethoden als zentrale Punkte in die REACH-Verordnung aufgenommen. Artikel 1 besagt nun ganz spezifisch, dass eines der Ziele von REACH die “Förderung der Alternativmethoden für die Feststellung der Gefahren chemischer Substanzen“ ist. Der Artikel besagt auch, dass die Entwicklung alternativer Methoden in zukünftiger EU-Forschung Priorität haben muss. Weitere Passagen, in denen tierversuchsfreie Methoden gefördert werden:

  • Artikel 13. Informationen sollten, wann und wo immer möglich, durch tierversuchsfreie Methoden gewonnen werden, außerdem werden die Methoden regelmäßig überprüft und verbessert – mit dem Ziel der Reduzierung von Tierversuchen.
  • Artikel 116 (2a). Die neue Europäische Chemikalienagentur muss der Kommission alle drei Jahre einen Bericht über den Stand der Umsetzung und des Einsatzes von tierversuchsfreien alternativen Testmethoden vorlegen.
  • Artikel 116 (3). Die Kommission muss alle fünf Jahre einen Bericht über Beträge und Verteilung von Finanzmitteln, die durch die Kommission für die Entwicklung und Beurteilung von alternativen Testmethoden vergeben wurden, vorlegen.

Es ist eine Tragödie, dass Millionen von Tieren unnötigerweise für veraltete und unmenschliche Tests sterben werden. Aber es hätte auch noch sehr viel schlimmer kommen können. REACH hat es geschafft, Tierversuche in Chemikalientests aus politischem Niemandsland an die Front zu holen. Wir haben nicht jede Schlacht gewonnen, aber wir haben wesentliche Fortschritte gemacht: Die Herausforderung, Tierversuche zu beenden, ist nun das Kernstück dieser Gesetzgebung. Dies wird die EU-Politik viele Jahre lang beeinflussen.

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